Oederquart 2026
Oederquart hat 909 Einwohner und eine Orgel von Arp Schnitger: Er baute sie 1678 bis 1682 für die St.-Johannis-Kirche. Bei einem Umbau im 19. Jahrhundert gingen seine Pfeifen bis auf die sichtbaren Prospektpfeifen verloren, bis Rowan West das Instrument zwischen 2014 und 2017 rekonstruierte. Dazu kommen der historische Thingplatz und ein 4km langer Barfußpfad durch alte Obstbaumbestände.
Für Wohnwagen- und Wohnmobil-Camper: ein kostenloser Stellplatz für 6 Fahrzeuge am Sportplatz, ganzjährig geöffnet. Details in unserem Stellplatz-Guide für Oederquart.
Geschichte – Obstbau, Kirche und Verfolgung
Oederquart gilt seit 1331 als urkundlich erwähnt, die Kirche des Ortes ist nach Angaben der Deutschen Stiftung Denkmalschutz sogar schon 1330 belegt. Um die Kirche herum entwickelte sich eine kleine Siedlung, die von der Landwirtschaft lebte. Im 16. Jahrhundert kamen Obstbau mit Äpfeln und Birnen sowie der Bau von Deichen und Kanälen hinzu. Heute zählt die Gemeinde 909 Einwohner (Stand 31.12.2025) auf 37,13km² Fläche, das entspricht rund 24 Einwohnern pro Quadratkilometer.
Ende des 18. Jahrhunderts siedelten sich jüdische Familien aus Böhmen in Oederquart an. In der Reichspogromnacht im November 1938 wurden die Fenster der Familie von Selma Bernau eingeschlagen, ihre Kinder durften nicht mehr zur Schule gehen. 1942 wurde die Familie Bernau nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Auch aus dem Zweiten Weltkrieg ist ein Detail überliefert: Im Sommer 1943, während der Luftangriffe auf Hamburg, diente die Kirche von Oederquart den britischen Bomberpiloten als Orientierungspunkt.
Verwaltet wird der Ort bisher im Rahmen der Samtgemeinde Nordkehdingen. Der niedersächsische Landtag hat am 3. März 2026 das Gesetz über die Neubildung der Gemeinde Nordkehdingen beschlossen: Zum 1. November 2026 sollen die Samtgemeinde und ihre fünf Mitgliedsgemeinden Balje, Freiburg (Elbe), Krummendeich, Oederquart und Wischhafen in einer gemeinsamen Einheitsgemeinde aufgehen.
St.-Johannis-Kirche
Die Kirche ist Johannes dem Täufer geweiht und eine spätgotische Backsteinkirche mit polygonalem Ostchor und Ziegeldach. Der Turm hat oben einen achteckigen Schaft, den ein spitzer, kupferbedeckter Helm abschließt. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz förderte 2016 die Rekonstruktion der Orgel.
Die Schnitger-Orgel
Zwischen 1678 und 1682 baute der Orgelbauer Arp Schnitger für die Kirche ein Instrument mit 28 Registern auf drei Manualen und Pedal. Nach Angaben des Orgelportals NOMINE legte Schnitger mit den Orgelbauten in Stade, Lüdingworth und Oederquart den Grundstein für seine große, internationale Karriere. Möglicherweise nutzte er dabei das Gehäuse einer älteren Orgel von Antonius Wilde.
Danach wurde das Instrument mehrfach verändert. 1781 ergänzte Johann Daniel Busch ein selbstständiges Pedal mit sechs Registern in zwei Türmen. 1864/65 baute Johann Hinrich Röver aus Stade die Orgel so stark um, dass Schnitgers Pfeifen bis auf die sichtbaren Zinnpfeifen des Prospekts verloren gingen. 1971 setzte die Firma Hillebrand hinter dem Schnitger-Prospekt eine neobarocke Orgel mit zwölf Registern ein.
Der Orgelbauer und Schnitger-Spezialist Rowan West aus Ahrweiler rekonstruierte das Instrument schließlich in drei Bauabschnitten (2014, 2015 und 2016/2017). Zu Ostern 2017 wurde die Orgel wieder eingeweiht, seitdem hat sie wieder die ursprünglichen 28 Register. Wer sie hören möchte, findet weiter unten ein Video mit dem Organisten Martin Böcker.
Thingplatz und Kehdinger Land
Der Thingplatz von Oederquart erinnert an die Selbstverwaltung des Kehdinger Landes: Hier wählten die Dörfer bis 1852 ihre Hauptleute. Ein Infopunkt am Platz erklärt mit Tafeln und Fotos, wie Moor und Marsch früher und heute genutzt werden – von der Landwirtschaft über den Obstbau und die Pferdezucht bis zur Windenergie.
Barfußpfad Von-Korffscher-Weg
Der Barfußpfad ist ein 4km langer Rundwanderweg mit zehn Stationen. Der Untergrund wechselt zwischen Steinen, Torf, Glas, Holz und feinem Sand, unterwegs stehen alte Obstbäume. Gerade nach einer längeren Fahrt mit dem Wohnwagen ist das ein unkomplizierter Weg, um wieder in Bewegung zu kommen.
Anreise mit dem Wohnwagen
| Von | Route | Hinweis |
|---|---|---|
| Freiburg (Elbe) | Rund 4km entfernt | Bushaltestelle (Linie 2025) |
| Wischhafen | Rund 5km entfernt, hier legt auch die Elbfähre aus Glückstadt an | Bushaltestelle und Fähranleger |
Oederquart im Video
Häufige Fragen (FAQ)
Was ist das Besondere an der Orgel in Oederquart?
Die Orgel der St.-Johannis-Kirche baute Arp Schnitger zwischen 1678 und 1682, ursprünglich mit 28 Registern auf drei Manualen und Pedal. Nach einem Umbau 1864/65 blieben von den Pfeifen nur die sichtbaren Zinnpfeifen des Prospekts erhalten. Der Orgelbauer Rowan West rekonstruierte das Instrument in drei Bauabschnitten (2014, 2015 und 2016/2017); zu Ostern 2017 wurde es wieder eingeweiht und hat heute wieder die ursprünglichen 28 Register.
Wie lang ist der Barfußpfad in Oederquart?
Der Barfußpfad Von-Korffscher-Weg ist ein 4km langer Rundwanderweg mit zehn Stationen. Der Untergrund wechselt zwischen Steinen, Torf, Glas, Holz und feinem Sand, der Weg führt an alten Obstbäumen vorbei.
Was war der Thingplatz von Oederquart?
Der Thingplatz war eine historische Versammlungsstätte im Kehdinger Land, an der bis 1852 die Hauptleute der Dörfer gewählt wurden. Heute informiert dort ein Infopunkt mit Tafeln über die Nutzung von Moor und Marsch.
Gibt es in Oederquart einen Wohnmobilstellplatz?
Ja, einen kostenlosen Stellplatz am Sportplatz mit 6 Plätzen, ganzjährig geöffnet. Bezahlt wird freiwillig über eine Spendenbox. Details dazu in unserem Stellplatz-Guide für Oederquart.