Schaltplan Wohnwagen autark – 3 Varianten, Kabel und Sicherungen
Jeder autarke Wohnwagen folgt demselben Aufbau: Ladequellen laden die Aufbaubatterie, direkt am Pluspol sitzt die Hauptsicherung, danach verteilt ein Sicherungsverteiler den Strom auf einzeln abgesicherte 12V-Kreise, und alle Minusleitungen laufen an einem Punkt zusammen. Hier findest du drei Schaltpläne für drei Ausbaustufen, die Rechenregeln für Kabelquerschnitt und Sicherung und die Belegung der 13-poligen Steckdose. Alle Werte sind Richtwerte, verbindlich sind immer die Handbücher deiner Komponenten.
- 01So ist ein Wohnwagen-Schaltplan aufgebaut
- 02Variante A: Mover-Batterie mit Wechselrelais
- 03Variante B: Standard mit Elektroblock
- 04Variante C: Vollausbau mit Solar, Booster und Wechselrichter
- 05Kabelquerschnitt und Sicherung berechnen
- 0613-polige Anhängersteckdose: Belegung
- 07Den Schaltplan deines Herstellers finden
- 08Typische Fehler und Sicherheit
- 09Schaltpläne zum Download
- 10Häufige Fragen
So ist ein Wohnwagen-Schaltplan aufgebaut
Ein Schaltplan zeigt, welche Komponente womit verbunden ist und wo welche Sicherung sitzt. In einem Wohnwagen gibt es dafür drei Gruppen: die Ladequellen (Landstrom über ein Ladegerät oder den Elektroblock, das Zugfahrzeug über die Ladeleitung der 13-poligen Steckdose, optional Solar über einen MPPT-Laderegler), die Aufbaubatterie und die Verbraucher im 12V-Netz.
Zwei Regeln gelten für alle Varianten. Erstens braucht jede Leitung, die von der Batterie wegführt, eine Sicherung, und zwar so nah wie möglich am Pluspol. Die Sicherung schützt vor allem das Kabel, deshalb verlangen Hersteller wie Votronic in ihren Installationshinweisen Sicherungen in Batterienähe. Zweitens ist es sinnvoll, alle Minusleitungen an einem zentralen Punkt an der Batterie zu sammeln, das hält die Anlage übersichtlich und im Fehlerfall leicht prüfbar. In den Zeichnungen steht F für eine Sicherung.
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Variante A: Mover-Batterie mit Wechselrelais
Die einfachste Ausbaustufe nutzt eine Batterie, die im Wohnwagen oft schon für den Mover vorhanden ist. Ein Autark-Satz wie der von CaravanMoverShop bindet sie über ein Wechselrelais ans Bordnetz an. Laut Hersteller besteht das Set aus einem Wechselrelais, 4m Leitung mit 2,5mm², einer 15A-Sicherung und einem Anschlussplan. Das Relais schaltet automatisch um: Ist der Wohnwagen am Zugfahrzeug angesteckt, kommt das Bordnetz aus dem Dauerplus des Fahrzeugs, wird abgekuppelt, übernimmt die Wohnwagenbatterie. Der Satz funktioniert laut Hersteller mit Lithium- und Bleibatterien, verlangt aber ein passendes Ladegerät.
Variante A: Das Wechselrelais versorgt das Bordnetz aus dem Zugfahrzeug oder aus der Batterie. Sicherungswerte laut Set-Anleitung.
Vorher prüfen: Ob die vorhandene Mover-Batterie für dauerhaftes Entladen und Laden ausgelegt ist, steht im Datenblatt der Batterie. Für den Dauerbetrieb im Bordnetz ist eine eigene Aufbaubatterie (Variante B oder C) oft die bessere Grundlage. Was die Hersteller für die Mover-Batterie verlangen, steht im Artikel Mover-Batterie.
Variante B: Standard mit Elektroblock
Wer im Wohnwagen eine Zentralelektrik mit Elektroblock (EBL) hat, nutzt sie als Herzstück der Anlage. Der Elektroblock bündelt vier Aufgaben: den Landstrom-Lader für die Aufbaubatterie, die Sicherungsverteilung für die 12V-Verbraucher, das Trennrelais beziehungsweise die Ladeanbindung vom Zugfahrzeug und den Anschluss für das Bedienpanel. Im Reisemobil-Bau dominieren Elektroblöcke von Schaudt und Dometic, der genaue Funktionsumfang hängt vom Modell ab.
Variante B: Der Elektroblock verteilt den Strom, die Batterie hängt mit Sicherung direkt am Pluspol. Funktionsumfang je nach Modell.
Wer die Bleibatterie durch eine LiFePO4-Batterie ersetzt, muss die Ladekennlinie beachten. Die Lader neuerer Elektroblöcke haben Kennlinien für AGM, Gel und teilweise für LiFePO4, die sich per DIP-Schalter oder im Display-Menü wählen lassen. Ob dein Modell das kann, steht im Datenblatt und gegebenenfalls in der Firmware-Version.
Variante C: Vollausbau mit Solar, Booster und Wechselrichter
Der Vollausbau ergänzt die Anlage um Solar, einen Ladebooster und einen Wechselrichter. Jede Ladequelle bekommt ihr eigenes Ladegerät mit passender Kennlinie und eine eigene Sicherung nah an der Batterie: Solar geht über den MPPT-Laderegler, das Zugfahrzeug über den Ladebooster, Landstrom über das Ladegerät. Der Ladebooster übernimmt die Zusatzladung vom Zugfahrzeug, ein altes ISO-Trennrelais sollte nicht parallel weiterlaufen, weil beide Systeme gleichzeitig zu Fehlfunktionen führen können.
Variante C: Jede Leitung an der Batterie hat eine Sicherung (F). Der Wechselrichter bekommt eine eigene, dicke Zuleitung. Werte laut Handbuch der Komponenten.
Der Wechselrichter ist der Verbraucher mit den größten Strömen und braucht deshalb eine eigene Zuleitung direkt von der Batterie, nicht über den Sicherungsverteiler. Prüfe außerdem, ob deine Batterie den Strom überhaupt liefern darf: Bei 1.000W Wechselrichter-Leistung fließen bei 12V gut 90A, den zulässigen Dauerstrom der Batterie (BMS) nennt das Datenblatt. Die 230V-Seite des Wechselrichters und alle Arbeiten an der 230V-Anlage gehören in die Hand einer Elektrofachkraft.
Kabelquerschnitt und Sicherung berechnen
Schritt 1: Strom berechnen
Beispiele mit angenommenen Leistungen: 50W LED-Beleuchtung sind bei 12V rund 4,2A, eine Wasserpumpe mit 60W rund 5A. Bei einem Wechselrichter kommen die Verluste dazu: 1.000W entsprechen bei 12V rund 83A, bei einem angenommenen Wirkungsgrad von 90% sind es rund 93A aus der Batterie.
Schritt 2: Querschnitt wählen
Für eine schnelle Abschätzung nennt Victron in seinem Buch Wiring Unlimited eine Faustregel für Leitungen bis etwa 5m:
Für den Wechselrichter-Beispielstrom von 93A ergibt das rund 31mm², in der Praxis also 35mm². Zusätzlich sollte der Spannungsabfall bei 12V unter etwa 3% bleiben, das sind 0,36V. Bei Kupfer lässt er sich so berechnen (Hin- und Rückleitung, spezifischer Widerstand 0,0175 Ωmm²/m):
Daraus folgt die maximale einfache Leitungslänge für 3% Spannungsabfall bei 12V:
| Querschnitt | Strom | Max. Länge (einfach) |
|---|---|---|
| 1,5mm² | 5A | 3,1m |
| 2,5mm² | 10A | 2,6m |
| 4mm² | 15A | 2,7m |
| 6mm² | 15A | 4,1m |
| 6mm² | 20A | 3,1m |
| 10mm² | 30A | 3,4m |
| 16mm² | 60A | 2,7m |
| 25mm² | 90A | 2,9m |
| 35mm² | 90A | 4,0m |
Eigene Berechnung mit den oben genannten Annahmen (Kupfer, 3% von 12V, Hin- und Rückleitung). Die Belastbarkeit des Kabels selbst ist eine zweite Grenze, sie steht im Datenblatt des Kabelherstellers. Eigene Werte rechnest du im Kabelquerschnitt-Rechner aus, dort findest du auch die vollständigen Tabellen für 12V und 24V.
Beispiel Wasserpumpe: 15A über 5m Leitungslänge. Mit 2,5mm² fallen 1,05V ab (8,8%), mit 6mm² immer noch 0,44V (3,6%), erst mit 10mm² sind es 0,26V (2,2%). Kurze Wege und dickere Kabel sparen in 12V-Anlagen also Ärger.
Schritt 3: Sicherung wählen
Die Sicherung muss über dem maximalen Dauerstrom des Kreises liegen, sonst löst sie im Normalbetrieb aus, und unter der Belastbarkeit des Kabels, sonst schützt sie es nicht. Als übliche Faustregel gelten rund 125% des maximalen Dauerstroms. Beim Wechselrichter-Beispiel sind das etwa 116A, also eine Sicherung in der Größenordnung von 120 bis 125A, sofern der Hersteller nichts anderes vorgibt. Eine Sicherung, die deutlich höher liegt als das Kabel verträgt, schützt die Leitung nicht mehr.
Bei Ladeboostern und Ladereglern geben die Hersteller die Werte vor. Beim Victron Orion-Tr Smart 12/12-30 nennt das Handbuch eine 60A-Sicherung und 10mm² Kabel. Verwende die Angaben aus dem Handbuch deines Geräts, denn ein 20A-Booster braucht andere Werte als ein 30A-Modell.
13-polige Anhängersteckdose: Belegung
Für den Schaltplan interessieren vor allem die Kontakte 9 bis 13. Die Kontakte 1 bis 8 belegen Blinker, Nebelschlussleuchte, Rücklichter, Bremslicht, Rückfahrlicht und Masse.
| Kontakt | Funktion | Hinweis |
|---|---|---|
| 9 | Dauerplus | Leitung mit 2,5mm² |
| 10 | Ladeleitung (geschaltetes Plus) | zum Laden einer Batterie im Wohnwagen, nicht mit Kontakt 9 verbinden |
| 11 | Masse für Kontakt 10 | Leitung mit 2,5mm² |
| 12 | Reserviert, früher Anhängererkennung | bei älteren Belegungen intern mit Kontakt 3 verbunden |
| 13 | Masse für Kontakt 9 | Leitung mit 2,5mm² |
Zum Laden einer Batterie im Wohnwagen sind nach DIN ISO 11446 ausschließlich die Kontakte 10 und 11 vorgesehen. Wichtig: Kontakt 10 darf im Stecker nicht mit Kontakt 9 verbunden werden, das kann die Elektrik des Zugfahrzeugs beschädigen, und die Masseleitungen dürfen anhängerseitig nicht miteinander verbunden werden. Aderfarben unterscheiden sich je nach Hersteller, und ältere Normstände belegen einzelne Kontakte anders. Die vollständige Belegung aller 13 Kontakte mit Farben und Querschnitten steht in unserem Artikel Anhängersteckdose 13-polig. Im Zweifel gelten die Angaben von Zugfahrzeug und Ladebooster-Hersteller. Die Leitungen mit 2,5mm² begrenzen außerdem den Ladestrom über die Steckdose. Booster-Hersteller wie Votronic geben Querschnitte und Leitungslängen vor, die du einhalten solltest.
Den Schaltplan deines Herstellers finden
Wer einen Hobby, Fendt, Knaus, Dethleffs oder ein anderes Modell hat, findet den werkseitigen Schaltplan nicht in einem allgemeinen Ratgeber, sondern in den Unterlagen zum eigenen Wohnwagen. Diese Reihenfolge hilft:
- Bedienungsanleitung des Modelljahrs: Dort sind Schaltplan und Sicherungen beschrieben. Manche Anleitungen älterer Hobby-Modelle sind zum Beispiel bei ManualsLib mit Schaltplan-Seiten zu finden.
- Hersteller oder Fachhändler: Bei Fendt empfiehlt sich der Weg über den Händler oder den Kundenservice. Nenne Modell und Modelljahr.
- Elektroblock-Typ: Lies die Typbezeichnung auf dem Gerät ab. Anleitungen und Schaltpläne von Schaudt-Geräten lassen sich im Netz herunterladen.
Typische Fehler und Sicherheit
- Hauptsicherung am Verteiler statt an der Batterie: Ein ungesichertes Kabelstück zwischen Pluspol und Sicherung ist im Fehlerfall ungeschützt. Die Sicherung gehört so nah wie möglich an die Batterie.
- Sicherung größer als das Kabel: Die Sicherung schützt die Leitung nur, wenn sie unter deren Belastbarkeit liegt.
- Zu dünne oder zu lange Leitungen: In 12V-Anlagen führt schon ein Meter mehr Kabel zu spürbarem Spannungsabfall, siehe Tabelle oben.
- Ladebooster und altes Trennrelais parallel: Beide Systeme gleichzeitig können zu Fehlfunktionen führen.
- Kontakt 9 und 10 im Wohnwagen verbinden: Das kann die Elektrik des Zugfahrzeugs beschädigen.
- Lithium am falschen Lader: Prüfe vor dem Umbau, ob Ladegerät oder Elektroblock eine passende Kennlinie haben.
230V nur vom Fachmann: Für elektrische Anlagen in Caravans gilt DIN VDE 0100-721, verbindlich seit Oktober 2019, für 12V-Anlagen die Norm DIN EN 1648-1. Nach DIN VDE 0100-721 braucht jeder 12V-Stromkreis einen Überstromschutz. Arbeiten an der 230V-Seite, am Wechselrichter-Ausgang und an der Landstromeinspeisung gehören in die Hand einer Elektrofachkraft. Dieser Artikel ersetzt keine Fachplanung, die Werte sind Richtwerte.
Schaltpläne zum Download
Die drei Zeichnungen kannst du als SVG speichern, ausdrucken oder als Grundlage für deine eigene Planung nutzen.
Häufige Fragen (FAQ)
Wie sieht ein Schaltplan für einen autarken Wohnwagen aus?
Er folgt immer demselben Prinzip: links die Ladequellen (Landstrom über Ladegerät, Zugfahrzeug über die Ladeleitung der 13-poligen Steckdose, optional Solar über einen MPPT-Laderegler), in der Mitte die Aufbaubatterie mit Hauptsicherung direkt am Pluspol, rechts der Sicherungsverteiler mit einzeln abgesicherten 12V-Kreisen. Alle Minusleitungen laufen an einem zentralen Punkt zusammen. Üblich sind drei Ausbaustufen: Mover-Batterie mit Wechselrelais, Standard mit Elektroblock und Vollausbau mit Solar, Ladebooster und Wechselrichter.
Welchen Kabelquerschnitt brauche ich für 12V im Wohnwagen?
Nach der Faustregel aus Victrons Buch Wiring Unlimited gilt für Leitungen bis etwa 5m: Querschnitt in mm² ungefähr Strom in Ampere geteilt durch 3. Zusätzlich sollte der Spannungsabfall bei 12V unter etwa 3 Prozent bleiben, das sind 0,36V. Bei 15A und 5m Leitungslänge reichen 2,5mm² nicht, es fallen rund 1,05V ab, auch mit 6mm² sind es noch 0,44V. Erst 10mm² bleiben mit rund 0,26V darunter.
Wie ist die 13-polige Anhängersteckdose für die Batterieladung belegt?
Zum Laden einer Batterie im Wohnwagen sind Kontakt 10 (Ladeleitung, geschaltetes Plus) und Kontakt 11 (Masse zu Kontakt 10) vorgesehen. Kontakt 9 ist das Dauerplus mit Masse an Kontakt 13, Kontakt 12 ist reserviert und diente früher der Anhängererkennung. Die Kontakte 9 und 10 dürfen im Wohnwagen nicht miteinander verbunden werden. Ältere Normstände belegen einzelne Kontakte anders, im Zweifel gelten die Angaben von Zugfahrzeug und Booster-Hersteller.
Wo finde ich den Schaltplan meines Wohnwagens von Hobby, Fendt oder Knaus?
Der verbindliche Schaltplan gehört zur Bedienungsanleitung deines Modelljahrs, dort sind auch die Sicherungen beschrieben. Fehlt sie, helfen Hersteller, Fachhändler oder der Hersteller des Elektroblocks, denn Anleitungen und Schaltpläne von Schaudt-Geräten lassen sich online herunterladen. Wichtig sind Modelljahr, Modellname und der Typ des Elektroblocks.
Ersetzt ein Ladebooster das Trennrelais im Wohnwagen?
Ein Ladebooster übernimmt die Aufgabe der Zusatzladung vom Zugfahrzeug, ein altes Trennrelais sollte danach nicht parallel weiterlaufen, weil beide Systeme gleichzeitig zu Fehlfunktionen führen können. Sicherung und Kabelquerschnitt richten sich nach dem Handbuch des Boosters, bei einem Victron Orion-Tr Smart 12/12-30 sind es laut Handbuch 60A und 10mm².